Für mich, auf Reisen mindestens so spannend ist wie fremde Kulturen kennen zu lernen, ist die verschiedensten Typen von Touristen oder Reisenden zu beobachten.
Jeder von uns kennt, wahrscheinlich auch aus eigener Erfahrung, den Kurzzeit Touristen: Mal weg vom Berufsleben, raus aus dem Alltag, sich mal was gönnen und eine feine Zeit mit gutem Essen, Unterhaltung und Ausspannen verbringen. Diese Spezies von Tourist ist verstärkt in schicken Hotels zu finden, sie bucht gern Pauschalreisen oder nimmt an organisierten Abenteuerreisen teil. Wert gelegt wird auf gutes, etabliertes Essen, freundliche Bedienung im Café und ordentliche Unterhaltung in der Bar am Abend. Hört sich gut an? Ist es auch!

Ganz anders sind Langzeitreisende. (So wie ich, im Moment ;-)) Oft zuvor eine Ausbildung abgeschlossen, eine bestimmte Zeit zwischen zwei Jobs, oder einfach mal Auszeit aus der westlichen Leistungsgesellschaft, sind für manche die Gründe für ein ausgedehntes Herumtouren. Diese Art Traveller stellt sich für mich am interessantesten dar.
Sehr verbreitet in Gegenden mit Sonne, Strand und Meer ist die Kategorie 20-Jahre-alt-und-dauernd-betrunken. Einfach gestrickte Techno Musik, viel billigen Alkohol und schnellen Sex und schon sind sie zufrieden zustellen. Der Aspekt ein fremdes Land kennen zu lernen ist eher nebensächlich.
Man trifft aber auch das genaue Gegenteil. Die treten dann so alternativ und spirituell auf, dass selbst hartgesottene Marxisten das Weite suchen und lassen damit die 68´er Generation wie neoliberalistische Mitläufer blass aussehen. Diese Art Reserve-Jesus begnügt sich mit einer Joga-Matte, einem gekochten Ei und verbringt die Zeit am liebsten Marihuana-rauchend mit  philosophieren über Globalisierungsthemen. Dabei mangelt es nicht an äußerlichem Selbstbewusstsein, wenn an Verschwörungstheorien gebastelt oder die Strukturen der Macht erläutert werden. Für mich immer wieder erstaunlich wie viel Energie man ins so viel unkonstruktiver Hirnwichserei investieren kann.

Immer wieder begegnet man den sogenannten ‘Grey Nomads’ – Reisende Rentner, die ihr Haus gegen ein Wohnmobil oder eine Segelyacht eingetauscht haben und mehrere Jahre ihres Lebensabend durch die Welt touren.
Im Vordergrund steht, das zu sehen wovon man ein Arbeitsleben lang geträumt hat und möglichst viel Erfahrung an jüngere Reisekollegen weiterzugeben. Dabei haben sie oft bemerkenswerte Fähigkeiten entwickelt mit ihren Nachkommen unter Zuhilfenahme der neuesten Technologien zu kommunizieren. Email ist dabei ein alter Hut,  Videokonferenzen mit den Enkelkindern in Übersee am mitgebrachten Netbook gehören zur Tagesordnung.

Alle für sich interessante Individuenn. Was mir kürzlich über den Weg gelaufen ist, hat jedoch alles bisher dagewesen in den Schatten gestellt. Anna aus den USA ist 82 Jahre alt, sieht aus wie Ende fünfzig und ist seit 1948 auf Reisen! In ihrem Leben hat die geistig fitte Lady bisher 140 Länder bereist und die Welt inzwischen sieben mal umrundet. Dabei hat sie beispielsweise vier mal die Tempel von Ankor gesehen und war schon mehrere Male an der Chinesisch Mauer. Aufenthalte in Länder wie Pakistan oder Indien für ein Jahr gehören zu ihrem Geschichte.
Sie kann also zu Recht sagen, ‘Mein Leben ist eine Reise’.


3 Antworten zu “Von Beruf aus Tourist?”
  1. Franz sagt:

    tja volker. hast ja noch ein paar jahre zeit frau anna zu toppen…..wann sehen wir dich wieder?

    servus
    da franz

  2. Elke sagt:

    Mahe, tolle Vergleiche, rasant und gut beobachtet!!! Und zu welcher Spezies gehörst nun du ;o)

  3. Petra sagt:

    Es fasziniert mich immer wieder, wie bzw. was du schreibst! Einfach fesselnd! Ich bin mal gespannt, was du nach deiner Reise (beruflich) machen wirst … :)

    greetings

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